Sonntag, 22. Dezember 2013

Wichtel-Taxi

In meiner Post war dieser Brief:


Liebe Jutta,
mir ist heute etwas Erstaunliches passiert:
Ich betrat in K... einen Laden und schaute die schönen Gläser in der Auslage an, als es etwa auf Kniehöhe mit feiner Stimme, aber doch  laut und vernehmlich sagte: „ Du, Madita, das ist sie!“  „Ja, Michel“, kam ein anderes Stimmchen hoch, „ sie soll uns zu Jutta schicken!“

Ich schaute hinunter und sah eben diese beiden Wichtel, die du nun in der Hand hältst. „Hallo, B...“,  meinte Michel, „ wir wollen zu Jutta! Schick uns bitte  dahin.“ Irgendwie war ich ja doch perplex, trotzdem gelang es mir, abwehrend zu sagen:  „Bestimmt nicht, denn wir schenken uns nichts, ich würde bloß lauter Kuddelmuddel veranstalten.“  Die Kundin neben mir schaute etwas indigniert, als sie mich so sprechen hörte. Ob sie mich mindestens für sonderbar hielt? Konnte sie die beiden Kleinen nicht hören?

 Madita fragte: „Hast du etwa Juttas Blog nicht gelesen? Schließlich ist da Wichteltreffen! Da müssen wir wirklich hin!“  Oh, besser nicht verraten, dass ich von all deinen zauberhaften Mitbewohnern gelesen hatte! Schließlich waren diese hier so gar nicht selbstgemacht, bloß Massenware. Wenn es tatsächlich ein Treffen gibt, fallen sie enorm aus dem Rahmen. Also ging ich schnell weiter , um nach dem roten Schleifenband zu gucken, das ich besorgen wollte. 
Keine Chance, nun brüllten sie - für so kleine Wichtel war das wirklich laut - durch den ganzen Laden: „B..., das kannst du nicht machen! Du musst uns einfach mitnehmen!“ Komisch, jetzt guckten mich ganz viele Kunden an, offenbar konnten noch mehr Menschen diese Zwerge hören. Ich sah mich um, da waren sie mir auf dem Boden gefolgt und ständig gefährdet, von jemandem zertreten zu werden.



Michel versuchte mich zu überzeugen: „Faulengraben ist weit weg von der K... Innenstadt, wenn  man so klein ist wie wir… Wie sollen wir das denn sonst bis Heiligabend schaffen ?“

Ich hob die beiden erst einmal hoch, bevor große Füße in festen Schuhen oder Füßchen mit Pfennigabsätzen ihnen weiterhin gefährlich werden konnten.  Außerdem suchte ich  mir eine etwas weniger belebte Ecke, bevor jemand auf die Idee kam, den sozialpsychiatrischen Dienst zu rufen.

„Also, was ist los?“, wollte ich wissen. „Madita antwortete: „Ich bin Madita und das ist mein Bruder Michel.  Bei Jutta ist dieses Jahr Wichteltreffen und dahin wollen wir. Wir werden erwartet. Alle anderen sind schon da, nur wir fehlen noch. Bitte, schick uns nach Faulengraben!“ „ Madita, das geht nicht. Ich kann euch nicht verschenken, weil wir uns nichts schenken.“ Michel wurde fuchsig: „ Also wirklich, du sollst uns doch nicht verschenken! Wir sind doch keine Objekte, die du einfach so weitergeben kannst. Wir brauchen bloß ein Taxi nach Faulengraben.“





„Na gut, dann steigt ein“, gab ich nach. Beide hüpften mit einem lauten Juchzer in meinen Einkaufsbeutel, schauten sich bei  mir zu Hause neugierig um und drängelten, dass ich sie endlich ins Taxi setzen soll. Das tue ich jetzt gleich, wenn du weißt, wie es zu dieser Zusendung gekommen ist. Hoffentlich benehmen sich die Beiden  anständig bei dir.



Fröhliche Weihnachten euch allen!
          B...






Jetzt sind hier aber auch alle Plätze besetzt bewichtelt - weitere müssten im Stall schlafen!
Ich sage auch Danke fürs Taxi und wünschen einen schönen Rest-Adventsssonntag! 
Jutta


Kommentare:

  1. Hallo Jutta! Eine herrliche Geschichte, man kann dieser Tage schon seltsamen Gesellen begegnen. Ein fröhliches Wichteltreffen wünsche ich Euch!
    Valomea

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  2. Du hast ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert. Was für ein schöner Post!

    Ein schönes Weihnachtsfest für dich!
    Marion

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Danke für Deinen Kommentar!